Heute klingelte der Wecker bereits um sechs Uhr morgens – für uns ein kleiner Kraftakt, der sich jedoch als die beste Entscheidung des Tages herausstellen sollte!
Denn an den Hotspots der Isle of Skye sind Parkplätze Mangelware, und wir wollten zudem die Stille der Berge genießen, bevor der große Ansturm kam. Die Sonne war bereits vor uns aufgestanden und tauchte die Insel in ein goldenes Licht, das uns sofort den Schlaf aus den Augen trieb.
Nach einem herzlichen Frühstück mit den selbstgebackenen Muffins unserer Gastgeber und einer großen Tasse Kaffee machten wir uns auf den Weg. Die letzten Meilen führten uns über Single Track Roads, die so mit Schlaglöchern gespickt waren, dass wir die Insel scherzhaft in „Isle of Potholes“ umtauften. 🙂
Wandern vor der Traumkulisse des Quiraing

Als wir gegen neun Uhr am Quiraing ankamen, hatten wir Glück und fanden problemlos einen Parkplatz (5 Pfund für 6 Stunden).
Schon beim ersten Schritt aus dem Auto raubte uns das Panorama den Atem! Wir wanderten einen Teil des Weges unterhalb der gewaltigen Steilwand. Der Pfad war anfangs breit, wurde später jedoch schmaler und erforderte an ein paar wenigen Engstellen Trittsicherheit.

Wir genossen das perfekte Vormittagslicht und ließen uns viel Zeit – auch zum Fotografieren. Wir wanderten bis kurz hinter die markante Felsnadel „The Needle“. Nach knapp zwei Stunden im gemütlichen Tempo legten wir eine Pause ein und kehrten schließlich um.



Wir waren uns einig: Die weichen, leicht ansteigenden Bergwiesen hier oben sind wie geschaffen für ein Picknick in vollkommener Freiheit. Wer mehr Zeit hat, kann den gesamten Rundweg in etwa zwei bis drei Stunden bewältigen – für uns war dieser Einblick in die raue Bergwelt jedoch bereits ein absoluter Gänsehautmoment.

Der Kilt Rock Wasserfall
Mit dem Auto ging es weiter zum Kilt Rock und dem Mealt Wasserfall. Auch wenn die Parkgebühr von drei Pfund für einen kurzen Stopp stolz wirkte, war der Anblick es wert: Ein imposanter Wasserfall stürzt hier aus 55 Metern Höhe direkt in den tosenden Atlantik, eingerahmt von den Basaltfelsen des Kilt Rock, die an die Falten eines schottischen Kilts erinnern.
Zwar ist der Mealt Wasserfall nicht ganz so spektakulär, dafür lohnt es sich jedoch, den Weg in entgegengesetzte Richtung zur Steilküste zu gehen. Denn von dort bietet sich ein schöner Ausblick auf eine malerische Bucht samt der Ruine einer alten Fabrik. Wer mag kann auch den befestigten Weg bis zum Strand hinab gehen – man sollte dabei im Kopf behalten, dass man auf gleichem Wege auch wieder hoch zu Auto steigen muss. 😉



Wir hielten auch kurz am Old Man of Storr, sparten uns die große Wanderung dort hinauf jedoch für den nächsten Tag auf. Stattdessen nutzten wir den Stopp für eine kurze Toilettenpause und genossen den Blick auf die berühmte Felsnadel von einer nahegelegenen Farmzufahrt aus.
Zum westlichsten Zipfel der Insel


Die Fahrt zum Neist Point, dem westlichsten Punkt der Insel, dauerte aufgrund von Baustellen und Staus auf den einspurigen Straßen deutlich länger als gedacht. So erreichten wir erst gegen 16 Uhr den Parkplatz, der sich in einiger Entfernung zur eigentlichen Landspitze mit dem hohen Leuchtturm von 1909 befand.
Tipp für das perfekte Foto: Wir folgten nicht dem betonierten Weg nach unten, sondern stiegen rechts über die Wiese den Hügel hinauf. Von dort oben hatten wir die beste Aussicht auf den pittoresken Leuchtturm und die steilen Klippen, die im Nachmittagslicht leuchteten.


Den längeren Spaziergang zum Leuchtturm schenkten wir uns, denn aufgrund der wohl unterbrochenen Kühlkette im Supermarkt von Portree gestern, hatte sich meine Frau leider gehörig den Magen verdorben und musste dringend zurück in unsere Unterkunft.

Dennoch kehrten wir regelrecht berauscht von den vielen Impressionen am Abend in unsere Unterkunft zurück. Wir setzten uns noch kurz auf unsere Bank mit Blick auf das Wasser und ließen die Seele baumeln. Wir hofften insgeheim und leider vergeblich darauf, einen Otter oder eine Robbe bei Ebbe zu entdecken, doch auch ohne Tiersichtungen war die friedliche Stille am Meer der perfekte Abschluss für diesen intensiven Tag. Und wir hatten ja noch ein paar Tage auf dieser magischen Insel vor uns.
Christian